Malagaweb.com
EnglishDeutsch Español

Seit dem Jahr 1801 spricht man von Torremolinos als Dorf, doch gibt es Hinweise auf Bewohner schon vor diesem Datum. Die Archive der Kathedrale von Málaga verweisen auf einen Wachmann, der die Sichtung von arabischen Schiffen auf dem Meer meldete. Er ist somit der erste, namentlich genannte Einwohner Torremolinos’. Er verdiente mehr als 25 Maravedis pro Tag, für eine Aufgabe die höchste Disziplin und Aufmerksamkeit verlangte und bei deren Missachtung eine Strafe von 2 Monaten ohne Bezahlung oder Kündigung drohte. Auβerdem musste er für alle Schäden aufkommen, die der Feind durch seine Unaufmerksamkeit anrichtete.

Nicht immer jedoch, waren diese Wachmänner effektiv. Aufzeichnungen aus dem Jahr 1522 beschreiben einen Vorfall, bei dem vier arabische Fusten 17 Männer von einem Fischerboot namens La Xábega entführten. Andere Dokumente aus dem Jahr 1524 berichten vom Raub von 40 Fischern, die nie wieder zurückkehrten und wahrscheinlich als Sklaven auf den Basaren von Oráno oder Argel verkauft wurden. Dort hatte auch der Pirat Barbarroja seinen Unterschlupf.

Die Geschichte von Torremolinos und seine Unabhängigkeit

Am 17. Dezember 1923 beantragte die Mehrheit der Einwohner (446 von insgesamt 695) bei der Stadtverwaltung Málagas eine Angliederung von Torremolinos zum Gemeindegebiet. Leider war es dem Dorf auf Grund der hohen Schulden von 252.288 Ptas. nicht mehr möglich in Zukunft als eigenständige Gemeinde fortzubestehen. Der letzte Bürgermeister war Miguel Fernándes Alcauza und es mussten 64 Jahre vergehen, bis Torremolinos wieder einen eigenen Bürgermeister erhielt.

Es war El Inglés (bekannter Engländer in Torremolinos), der 1930 sein Gutshaus Santa Clara in eine Unterkunft für ausländische Besucher verwandelte und somit den Trend des Tourismus an der Costa del Sol begann. Bald darauf folgten andere Einwohner seinem Beispiel, so auch Doña Carlota Alessandri (die Hauptstraβe von Montemar trägt ihren Namen), die 1933 den Gutshof Cortijo Cucazorra restaurierte und den Parador Montemar eröffnete, ihm folgte 1942 das Hotel La Roca.

Kurz darauf, 1948, öffnete das Restaurant El Remo im Stadtviertel La Carihuela seine Türen. Im selben Jahr erlitt dieser Bezirk ein schwarzes Kapitel seiner Geschichte. Nahe Ceutas erlitt ein Boot mit 24 Mann an Bord Schiffbruch, 12 davon waren aus Carihuela, 3 aus Bajondillo und der Rest aus Algeciras und Barbate. Der einzige, der diese Tragödie überlebte, ist Francisco Campoy El Cervera, der das rettende Ufer schwimmend erreichte. Noch heute lebt er in Carihuela und wer möchte kann ihn dort in seinem Haus besuchen und sich die Geschichte erzählen lassen.

Frühere Touristen in  TorremolinosIm Jahr 1955 eröffnete das Hotel Los Nidos seine Türen und 1959 erscheint das erste Luxushotel an der Küste, noch heute ist es unter dem Namen Pez Espada bekannt. Wir befinden uns in den 60ern und der Tourismus an der Costa del Sol und ihren unvergleichlichen Stränden wächst unaufhaltsam.

Viele Häuser werden abgerissen und an Stelle der alten Gemüsegärten entstehen groβe Betonblöcke. Der Tourismusboom hat die Küste erreicht und nicht einmal die Strände bleiben davon verschont, ihr Bild verändert sich grundlegend und an jeder freien Stelle erscheinen Liegen und Sonnenschirme.

Tablao Flamenco – El Jaleo – Flamenco-VeranstaltungenZu diesem Zeitpunkt begannen immer mehr Männer Feld und Pflug gegen die vielgesuchte Arbeit auf den Baustellen der Hotels, Bars und Terrassen einzutauschen. Noch immer ist Torremolinos ein Stadtteil von Málaga, doch sein Name erhält immer höheren Bekanntheitsgrad im Tourismussektor. Menschenmassen überschwemmen den Flughafen von Málaga. Berühmte Persönlichkeiten wie die Schauspielerin Ava Gadner, der Filmregisseur Orson Wells, die Schauspieler Boris Karloff und Frank Sinatra entdeckt man überall, so auch im Cafe Central, in Festsälen wie El Mañana, in Tablaos Flamencos wie El Jaleo (Bild rechts) oder El Piyayo. Torremolinos diente auch einigen Poeten und Schriftstellern als Inspiration, so zum Beispiel „El Dorado“ von Fernando Sánchez Dragó, „Torremolinos Gran Hotel“ von Angel Palomino und viele mehr.

Im Jahr 1979 begann eine Bewegung, die die erneute Unabhängigkeit von Torremolinos anstrebte.Grund hierfür war vor allem der Mangel an Mitteln, die ein solch groβer Urlaubsort benötige und somit Verluste im Sektor einfuhr. Zusätzlich gingen Traditionen und Brauchtümer des, bis 1926 unabhängigen, Dorfes verloren.

Die Regierung Málagas verweigerte ihre Zustimmung, obwohl Torremolinos alle Eigenschaften einer unabhängigen Stadt aufwies, eigenes Territorium, Zustimmung der Einwohner und ausreichend Wirtschaftskraft um sich selbst erhalten zu können. Diese Entscheidung provozierte einige Demonstrationen, die letzte davon an einem regnerischen Tag im Dezember 1987, als sich die Einwohner bis nach Sevilla begaben. Schlieβlich erkannte die Junta de Andalucia die Fakten an und bewilligte am 27. September 1988 die begehrte Unabhängigkeit. Dieses Datum wird jedes Jahr gefeiert.

Der Kampf Torremolinos’ um seine Unabhängigkeit hat modellhaften Charakter, ein Beispiel an Bürgersinn und Reife, die schlieβlich zum Erreichen des Ziels führten.

Seit diesem Tag scheint das Wachstum Torremolinos unaufhaltsam.

 

El Inglés – Der Engländer

TorremolinosEl Castillo del Inglés ist der Name einer bekannten Burg in Torremolinos, die für einige Jahre auch dem Zollamt als Quartier diente. Anfang des 20. Jhdts. wurde sie vom Engländer Sir George Langworthy gekauft, der sie zu einem Landgut mit groβen Gärten und Aussichtspunkten auf das Meer ausbaute. Zusammen mit seiner Frau Anne Margaret richtete er sich eine wunderbare Residenz ein und verschaffte vielen Einwohnern des Fischerdorfes Torremolinos Arbeit.

Sir George TorremolinosDer Tod seiner Frau, die 1913 mit nur 40 Jahren an einer Lungenentzündung starb, rief ein starkes Trauma hervor, dass er nie überwinden sollte. Sein Zustand verschlechterte sich sogar noch, als er als Kommandant am 1. Weltkrieg teilnahm. Nach seiner Rückkehr widmete Langworthy sein Leben der Hilfe Bedürftiger. El Castillo del Inglés verwandelte sich in einen Zufluchtsort für Arme und Kranke, die er unterstützte, indem er ihnen als Gegenleistung für das Vorlesen einer Bibelstelle eine Peseta gab. Dieser Betrag konnte eine ganze Familie für einen Tag ernähren.

Auf diese Weise wurde Langworthy innerhalb von 15 Jahren über 12 Millionen Pesetas los. Heute wäre das schon eine Summe von über 72.000 Euro doch vor über 70 Jahren war es ganzes Vermögen.

TorremolinosUm seine wirtschaftliche Lage wieder etwas aufzubessern stimmte er 1930 der Vermietung des Castillos zu, um es in das erste Hotel von Torremolinos zu verwandeln: “Hotel del Inglés“. Das Unternehmen war von Anfang ein Erfolg und die schöne Umgebung und gepflegten Gärten zogen die besten Gäste an, hauptsächlich Briten, die das einmalige Klima genossen.

George Langworthy kam mit einem groβen Vermögen nach Spanien und starb als armer Mann im Jahr 1945. An seinem bescheidenen Sarg versammelten sich Angestellte und das gesamte Dorf, um sich von ihm zu verabschieden.

Er ist auf dem Friedhof von Málaga begraben und bis heute der einzige „Adoptivsohn von Torremolinos“, eine Ehre, die ihm 1918 auf Grund seiner gemeinnützigen Arbeit, von den Einwohnern zugesprochen worden war.


Santa Clara TorremolinosEine Stra βe von Torremolinos wurde nach ihm benannt, sie führt uns zum Hotel Santa Clara, wo ihm ein Denkmal errichtet wurde. Leider befindet sich heute an Stelle seiner Finca ein modernes Hotel, das in nichts mehr dem alten Gutshaus gleicht. Oft bin ich am Strand, gleich neben dem alten Castillo del Inglés und leider ist nicht mehr viel von seiner Vergangenheit zu erahnen, vor allem wenn man die Geschichte des Ortes nicht kennt. Doch jetzt, da wir Bescheid wissen, ist es etwas einfacher sich den Ort vorzustellen, an dem George Langworthy sein Geld an Arme verteilte.

 

Castillo de Santa Clara

Die Burg befand sich in der Zone des heutigen Hotels Stanta Clara und den Hügeln von Montemar. Sie wurde 1763 zum Schutz der Mühlenindustrie und passierender Schiffe erbaut. Die Festung verfügte über Quartiere für Kavallerie und Infanterie, Häuser, Lagerräume, eine Kapelle und einige Kanonen mit einer Reichweite von 6 km. Noch heute kann man die Ruinen im oberen Montemar besichtigen. Die Gegend ist heutzutage als La Batería bekannt und beheimatet einen gepflegten Park mit vielen schönen Gärten. Leider musste das Castillo dem Bau eines neuen Hotels weichen, worunter auch die wunderschöne Umgebung etwas gelitten hat.



Get a Quote
Car hire Malaga Flughafentransfers Malaga